Berlinale: Der 3. Tag - 10.2.2007
"The Good Shepherd" - Matt Damon in den Wirren der Geheimdienstwelt
Von der Thematik recht ähnlich, aber um Klassen besser als "The Good German" ist der US-amerikanische Beitrag "The Good Shepherd".
Über knapp drei Stunden zeichnet Robert de Niro in seiner zweiten Regie-Arbeit das Leben eines CIA-Top-Agenten nach: Schon während seines Studiums an der Elite-Uni Yale verstrickt sich Edward Wilson (großartig gespielt von Matt Damon) immer tiefer in sinistre geheime Zirkel, aus denen spätere Agenten rekrutiert werden sollen. Bei seinem steilen Aufstieg in den Geheimdienstorganisationen OSS und CIA steht er mehrmals vor der schweren Entscheidung, Weggefährten oder Familienmitglieder im Dienst der nationalen Sicherheit zu opfern.
Wie sich Matt Damon und seine Film-Partnerin Angelina Jolie durch die Wirrungen des heraufziehenden Kalten Krieges schlagen, ist durchaus sehenswert. Vor allem das Intrigen-Geflecht rund um die gescheiterte CIA-Invasion an der kubanischen Schweinebucht ist mit der übrigen Handlung geschickt verwoben.
Die /e-politik.de/-Kritik: Sehr bemerkenswert an dem Film ist, dass es in Hollywood derzeit offensichtlich zum guten Ton gehört, Filme zu drehen, die sich im Subtext kritisch mit der Bush-Administration auseinandersetzen. Auch wenn Matt Damon und Angelina Jolie ihre Filmrollen wohl vor allem aus Imagegründen annahmen, um sich an dieser Welle zu beteiligen, kam ein beachtenswerter Film heraus.
"Crossing the Line" - Übergelaufen nach Nordkorea
Eine besondere Festival-Entdeckung ist "Crossing the Line" des BBC-Dokumentarfilmers und Nordkorea-Experten Daniel Gordon in der Reihe "Panorama Dokumente". Darin schildert er die Fälle von vier Soldaten der US-Army, die auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges unabhängig von einander über die Demarkationslinie nach Nordkorea überliefen.
In Nordkorea kennt die vier inzwischen betagten und zum Teil verstorbenen "Überläufer vom Klassenfeind" jedes Schulkind, da sie jahrzehntelang an Propagandafilmen der Diktatoren Kim Jong-Il und Kim Il-Sung mitwirkten. Auch in Japan und in den USA war und ist das mediale Interesse an den Fällen groß.
Da die Geschichten der vier Männer, die aus recht unterschiedlichen Motiven den Dienst quittierten, in Deutschland jedoch kaum bekannt sind, ist dieser Film absolut empfehlenswert: Die Fülle der Informationen erschlägt einen während der 90 Minuten zwar fast, aber wann erhält man schon so detaillierte Einblicke in die Gesellschaft des von der Außenwelt abgeschotteten Nordkorea?
Die /e-politik.de/-Empfehlung: Dieser Film lohnt sich auf jeden Fall für alle politisch Interessierten. Vor allem gibt es viele interessante Details zu entdecken, z.B. die Entwicklungswege der Frauen und Kinder der Überläufer.
"Pas douce" - sperriger kleiner Film aus der Schweiz
Der Forums-Beitrag "Pas douce" lohnt sich vor allem wegen des intensiven Spiels der französischen Nachwuchsschauspielerin Isild Le Besco. Ähnlich wie im letztjährigen Panorama-Beitrag "Camping sauvage" spielt die hierzulande kaum bekannte Frau mit dem unverwechselbaren, herben Gesicht wieder eine Außenseiterin, die kaum jemand an sich heranlässt.
Die /e-politik.de/-Kritik: Wer sich mit einer intensiven Milieustudie einer jungen Schweizer Regisseurin auseinandersetzen möchte, ist hier auf jeden Fall richtig. Auch wenn äußerlich wenig passiert, entwickelt sich ein spannendes Seelen-Drama.
"Das Jahr, als meine Eltern im Urlaub waren" aus Brasilien
Dieser Wettbewerbs-Film hat ein gewaltiges Problem: Er will sich nicht so recht in diese Kategorie einfügen und wirkt neben den großen Filmen der Altmeister etwas deplatziert. Der bessere Ort wäre für ihn die Reihe "Generation 14 plus" gewesen, die sich speziell an Jugendliche wendet.
Dafür spricht allein schon der bisherige Arbeitsschwerpunkt des brasilianischen Regisseurs Cao Hamburger, der sich auf Bücher und Serien für Kinder und Jugendliche konzentrierte.
Dennoch hat der Film eine interessante, tieftraurige Geschichte zu bieten: Während der 12-jährige Mauro der Fußball-Weltmeisterschaft 1970 entgegenfiebert, tauchen seine Eltern als Gegner der damaligen Militär-Diktatur in den Untergrund ab. Hin- und hergeworfen zwischen verschiedenen Anlaufstellen muss er sich durchs Leben schlagen.
Die /e-politik.de/-Kritik: Ein annehmbarer Film, der vor allem Jugendliche sehr gut anspricht, aber leider im Wettbewerb um die Goldenen und Silbernen Bären am falschen Platz ist.
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