Berlinale - Der 2. Tag: 9.2.2007
Klein, aber fein: "Eye in the sky" aus Hongkong
Abseits des Trubels am Roten Teppich gibt es immer wieder kleine Perlen zu entdecken: So überraschte z.B. im Forum heute Vormittag Yau Nai Hoi mit seinem Regiedebüt "Eye in the sky", einem Krimi über die Triaden-Kriminalität in Hongkong.
Dieser Film bietet alles, was das asiatische Kino so besonders macht: Eine schier überbordende Dynamik, die fiebrige Atmosphäre des Katz- und Maus-Spiels zwischen Polizei und Mafia, schnelle, nervöse Schnitte und die passenden Beats im Soundtrack.
Yau Nai Hoi nimmt die Zuschauer auf eine interessante Reise in das Leben der Nachwuchspolizistin Bo mit, die noch nicht abgebrüht genug ist, um mit dem harten Ermittlungs-Alltag in den Straßenschluchten Hongkongs zurechtzukommen.
Die /e-politik.de/-Empfehlung: Ein interessanter Genrefilm, der vor allem jenen zu empfehlen ist, die in die asiatische Filmkunst hineinschnuppern möchten.
Ausgebuht wie selten: George Clooney und "The Good German"
Der Film hat eigentlich alle Zutaten, die für ein herausragendes Kinoerlebnis notwendig sind: Zwei weltbekannte Stars in den Hauptrollen (George Clooney und Cate Blanchett), ein spannendes Thema (die Trümmerlandschaft Berlins während der Potsdamer Konferenz 1945) und einen der renommiertesten Regisseure (Steven Soderbergh).
Trotzdem ging dieser Film ziemlich daneben: Selten endete eine Pressevorführung auf der Berlinale mit so lauten Buh-Rufen. Auch in den USA, wo der Film im vergangenen Herbst bereits startete, wurde der Film eher reserviert aufgenommen.
Das Hauptproblem dieses Films ist, dass er nie so ganz zu sich selbst findet, sondern zwischen Melodram, Agentenintrige und Film noir im Stil der 1940er Jahre schwankt.
Die /e-politik.de/-Kritik: Diesen Film muss man nicht unbedingt gesehen haben. Stattdessen sollte man sich einen schönen Abend mit den früheren Soderbergh-Filmen als Video oder DVD machen.
Heißes Eisen: "Strange Culture" von Lynn Hershman Leeson
Die Reihe "Panorama Dokumente" eröffnete mit einer Dokumentation über einen hierzulande kaum bekannten Fall: Steve Kurtz, ein links-engagierter Künstler und Professor an der University of Buffalo, wurde 2004 vom FBI als mutmaßlicher Bioterrorist verhaftet. Gegen ihn wurde mittlerweile Anklage erhoben, so dass ihm ein Prozess und bis zu 20 Jahre Haft drohen.
In dem Doku-Drama "Strange Culture" schildern Kurtz´ Kollegin Lynn Hershman Leeson und viele seiner Freunde, wie es aus ihrer Sicht zu der Anklage kommen konnte.
Das Problem an dem Film ist, dass er ganz klar Partei ergreift und fast ausschließlich die Pro-Kurtz-Seite zu Wort kommt. So entsteht der Eindruck, dass die Vorwürfe von Polizei und Justiz sehr konstruiert sind und eine hysterische Überreaktion der US-Sicherheitskräfte nach 9/11 darstellen.
Die /e-politik.de/-Kritik: Wie sich die Sachlage wirklich verhält, ist aus der Ferne schwer zu beurteilen. Dennoch ist der Film allen zu empfehlen, die sich mit der Einschränkung von Freiheitsrechten im Kampf gegen den Terrorismus und den Angstwellen nach 9/11 beschäftigen. Dieses Thema wird auch noch in weiteren Berlinale-Filmen eine Rolle spielen!
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